AllgemeinThemenmonat

Eine Zeitreise durch die Baubranche

Höhen und Tiefen – Ein Zustand, mit dem sich die Baubranche bestens auskennt. In den letzten Jahrzehnten hat sich definitiv einiges getan. PlakatQuadrat startet heute eine kleine Reise durch die Zeit und schaut auf die vergangenen Jahre zurück. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass ausgerechnet der Plattenbau zu einem regelrechten Bauboom geführt hat? Wir schauen allerdings nicht nur auf die Bauweise der DDR zurück, sondern blicken außerdem auf Trennung und Wiedervereinigung Deutschlands zurück sowie auf die Auswirkungen, die diese Ereignisse auf den Baubetrieb hatten. 

Baubranche – was genau ist damit gemeint?

„Baubranche“ – ein Begriff, der viel verwendet wird. Deswegen zu Beginn eine kurze Einführung. Welche Bereiche umfasst die Baubranche? 

Zum einen ist das Baugewerbe mitinbegriffen. Unter dem Begriff Baugewerbe, auch als Bauwirtschaft bekannt, fasst man die Planungs- und Ausführungsleistungen sowie Veränderungen an Bauwerken zusammen. Bauunternehmen zählen zum Baugewerbe.

Zum anderen gehört das Ausbaugewerbe zur Baubranche. Hierzu zählen die Teile der Bauwirtschaft, die Gewerbe umfassen, welche Ausbauleistungen erbringen.  

Die wichtigsten Kennzahlen der beiden Bereiche haben wir für Euch zusammengefasst:

 Baugewerbe Ausbaugewerbe
Betriebe Circa 75.000 Unternehmen Circa 250.000 Betriebe
Mitarbeiter:innen Circa 840.000 Mitarbeiter:innen 1,13 Millionen Mitarbeiter:innen 
Bauvolumen Circa 125 Milliarden Euro Circa 142 Milliarden Euro 
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Wir können also festhalten: Die Baubranche verschafft Millionen von Menschen einen Arbeitsplatz – aber war das schon immer so?  

Bauboom dank Plattenbau 

Wir starten mit der Zeitreise in den 70er Jahren. Die Baubranche erlebte durch das neue Konzept des industriellen Bauens einen Boom, wie er noch nie dagewesen war. Unter industriellem Bauen sind Methoden und Mittel zu verstehen, die den technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsstand widerspiegeln. Statt Neubauten wurde mit Fertigbausystemen gearbeitet, welche den Bau- und den Anfertigungsprozess deutlich vereinfachten. Um zusätzliche Ressourcen auszuschöpfen sowie eine Senkung der Baukosten herbeizuführen, wurden die Produktionsstätten von den Baustellen in Werkhallen verlegt. Die Verringerung der Baukosten hatte zum Ziel, einen erschwinglicheren Wohnraum für die breite Bevölkerungsmasse zu schaffen. Die Baubestandteile, welche in Serie gefertigt wurden, mussten nur noch vor Ort zusammengesetzt werden – so entstand maximaler Wohnraum in kürzester Zeit. 

Bauen in der DDR

Besonders in der DDR dominierte das industrielle Bauen. Plattenbauten waren das Nonplusultra, auch Beton-Großtafelbauweisen wurden umgesetzt. Im Wohnungsbauprogramm der DDR entstanden allein 1,9 Millionen Plattenbauwohnungen, wodurch ganze Stadtteile, bestehend aus Plattenbauten, errichtet wurden. Das Augenmerk lag hier vor allem bzw. ausschließlich auf dem Produktionsablauf. Dieser sollte besonders einfach gestaltet werden – auch damals war Zeit schon Geld. Durch das übermäßige Produzieren von neuen Baukonstrukten entstand zum Schrecken der Baubranche eine Rohstoffknappheit, wodurch fortan ohne Wärmedämmungen gebaut werden musste. Es war abzusehen, dass das Hoch bald vorbei sein sollte. 

Harter Fall in die Krise 

Nach der Wiedervereinigung stieg der Bauboom besonders in den neuen Bundesländern an. Der Höhepunkt wurde 1995 erreicht – 603.000 Wohnungen wurden in diesem Jahr fertiggestellt. Zum Vergleich: 2009 wurden gerade einmal 159.000 Wohnung erbaut, was dieses Jahr zum schlechtesten Jahr im Wohnungsbau machte. Um das Niveau der alten Bundesländer auszugleichen, wurden neue Wohnungen unter staatlicher Förderung errichtet sowie die Infrastruktur ausgebaut. Die dadurch entstehende Überkapazität führte dazu, dass die Bauvorhaben drastisch zurückgingen – 1,4 Millionen Arbeitsplätze gingen dadurch verloren. 

Was kam nach dem Hoch? 

Die Baubranche steckte nach einem langanhaltenden Hoch in einer schweren Krise. Durch die geringe Auftragslage, die damit einhergehenden fehlenden Arbeitsplätzen und dem wenigen Geld veränderten sich die Unternehmensstrukturen. Außerdem wurden Bauunternehmen im Laufe der Zeit vermehrt von ausländischen Baufirmen aufgekauft. Zwischen 1990 und 2008 ging die Zahl der bestehenden Bauunternehmen krisenbedingt von 180 auf 25 zurück.  

Die Finanzkrise traf nicht nur die Börse

Viele von Euch können sich sicherlich noch daran erinnern – die Finanzkrise 2009, auch bekannt als Europakrise. Diese hat auch die Baubranche hart getroffen. Ein Tiefstand der Wohnungsbauten wurde erreicht. Gerade einmal 159.000 Wohnungen wurden erbaut. Auch die Stahlproduktion wurde hart getroffen: Sie hat durch die Finanzkrise einen Einbruch von mehr als 50% erlitten. 

Erst 2011 ging es wieder bergauf. Das Bauvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent. Damit war dieses Jahr das Wachstumsstärkste seit der Wiedervereinigung. Die Baubranche fing sich langsam wieder, aber auch die nächsten Jahre waren die Auswirkungen der Krise spürbar.  

In Zeiten von Corona 

Ein aktuelles Thema, welches uns allen bekannt ist: die Corona-Pandemie. Aber wie wirkt sich die Krise auf die Baubranche aus?  

Verzögerte Lieferungen und mangelndes Material stellten zu Beginn ein Problem dar, konnten aber schnell behoben werden. Die hohe Auftragslage zu Beginn des Jahres verhalf der Baubranche durch das erste Corona-Jahr. 

Der Wohnungsbau erzielte auch in der Pandemie ein Umsatzplus von circa vier Prozent. Für 2021 wird laut Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) ein Umsatzrückgang von einem Prozent erwartet. Allerdings soll der Wohnungsbau weiterhin ansteigen. 

Im Wirtschaftsbau allerdings sind die Auswirkungen der Pandemie deutlicher spürbar: Ab März 2020 lagen die Nachfragen unterhalb denen des vorherigen Jahres.  

Die Beschäftigungsentwicklung wird von der Corona-Pandemie nicht allzu stark beeinflusst. Vergleicht man die letzten zehn Jahre miteinander, sieht man einen Zuwachs von circa 20 Prozent an Beschäftigten. Auch wenn die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist, hat die Baubranche auch dieses Hindernis, laut dem Online-Magazin Capital, (bis jetzt) gemeistert.  

Fortschritte im Bau 

Wir haben uns im ersten Teil auf eine kleine geschichtliche Zeitreise durch die Baubranche begeben. Aber was hat sich technisch in den letzten Jahren verändert? 

Das 21. Jahrhundert hat uns einige technische Bereicherungen beschert. Das Bauen 4.0 bietet uns die Möglichkeit, analoge Prozesse zu digitalisieren. Damit ist gemeint, dass Softwares und Apps digitale Möglichkeiten aufzeigen, um eine höhere Produktivität und gesteigerte Leistungen zu erzielen.

Die neuen Techniken 

Eines dieser neuen Tools ist das BIM (Building Information Modeling), welches jegliche Informationen, die rund um die Planung und Errichtung anfallen, managet. Für alle, die BIM nicht kennen: Das Building Information Modeling, kurz BIM genannt, ist eine Methode für die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden. In den unterschiedlichen Leistungsphasen wird das BIM-Modell von Bauherren, Planern, Architekten, Handwerkern und weiteren Projektbeteiligten genutzt. So können Informationen verarbeitet und erweitert werden. Die Zusammenarbeit wird präziser, effizienter und kostengünstiger. Nach der Fertigstellung des Gebäudes kann das BIM-Modell für die Bewirtschaftung der Gebäude genutzt werden. 

Auch die Virtual Reality, die Darstellung und Wahrnehmung eines Objektes in einer virtuellen, interaktiven Umgebung, trägt zum Vorschritt bei. Geplante Bauprojekte können so betrachtet werden, ohne dass sie sich im Bauprozess befinden. 

Die Augmented Reality geht noch einen Schritt weiter. Virtuelle Objekte werden auf bereits existierende, reale Umgebungen projiziert. Es handelt sich somit um die Erweiterung der Virtual Reality

Wie man sehen kann: Die Technik hat uns in den letzten Jahren viel erleichtert. Wenn Ihr mehr über die digitale Entwicklung der Baubranche erfahren wollt, könnt Ihr in unserem Magazinartikel „Die Digitalisierung der Baubranche“ nachlesen. 

Mauerfall, Finanzkrise, Corona – alles Ereignisse, die uns und die Baubranche nachhaltig beeinflusst haben. Wo es in den nächsten Jahren noch alles hingeht, steht noch in den Sternen. Wir sind auf jeden Fall gespannt.  


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