AllgemeinThemenmonat

Das Frauenbild: Von der Abhängigkeit zur Emanzipation

Das Rollenbild der Frau ist bekanntlich ein Thema, was uns bis heute beschäftigt – und das zu Recht. Bis zum heutigen Tag sind Frauen in vielen handwerklichen Berufen oder Branchen unterrepräsentiert. Wir bei PlakatQuadrat werfen einen Blick auf die Meilensteine der letzten Jahrzehnte und beschäftigen uns mit zwei Gebieten, in denen der Frauenanteil noch nicht der ist, der er einmal sein sollte.  

Die Meilensteine 

Den meisten von uns wird sicherlich bewusst sein, dass Frauen eine lange Zeit über weniger Rechte verfügten als Männer. Aber dass es gerade einmal 44 Jahre her ist, seitdem Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten gehen dürfen, wird einige schockieren – zu Recht! Erst mit der Industrialisierung bekamen Frauen in Deutschland die Möglichkeit, in Fabriken arbeiten zu können, jedoch für einen deutlich geringeren Lohn als die männlichen Mitarbeiter. Bestimmen, in welchem Bereich sie arbeiten wollten, konnten sie nicht. Für welche Meilensteine Frauen über die Jahre hinweg kämpfen mussten, haben wir zusammengefasst – und das Ergebnis ist ernüchternd. 

Daten durch die Zeit: 

  • 1918: Frauen durften das erste Mal wählen 
  • 1956: Gesetz der Gleichberechtigung wurde eingeführt 
  • 1977: Frauen durften ohne die Erlaubnis des Mannes entscheiden, ob sie arbeiten gehen oder nicht 
  • 1980: Gesetz tritt in Kraft, dass Frauen und Männer das gleiche Gehalt bekommen müssen 
  • 1994: Stellenausschreibungen müssen sowohl für Männer als auch für Frauen ausgestellt werden 

Allerdings war es trotz der Möglichkeit arbeiten zu gehen, lange Zeit die Hauptverpflichtung der Frau, den Haushalt zur Zufriedenstellung des Mannes zu führen – alle anderen beruflichen Tätigkeiten mussten untergeordnet werden. 

Was können wir festhalten:

  1. Dass Frauen in der heutigen Zeit einigermaßen die gleichen Rechte haben wie Männer, besteht noch längst nicht so lange, wie wir vielleicht gedacht haben.
  2. Dass wir trotz dieser Meilensteine nicht an dem Punkt angelangt sind, an dem wir stehen sollten. Frauen bekommen, trotz gesetzlicher Festlegung, nicht das gleiche Gehalt wie Männer, wodurch auch das Gesetz der Gleichberechtigung nicht vollständig umgesetzt wurde. Jedoch gibt es ebenfalls Bereiche, in denen Frauen dominieren, wie beispielsweise in den sozialen Berufen. Dort ist das Gehalt zwischen Männern und Frauen in vielen Fällen das Gleiche. Dementsprechend gibt es auch bereits Berufssparten, in denen das Geschlecht keine Rolle bei der Gehaltsverteilung spielt.

Frauen können das, genauso wie Männer! 

Wir werfen den Blick auf zwei Bereiche, in denen der Frauenanteil geringer ist als in anderen: Zum einen sind das generell die Führungspositionen in Unternehmen, zum anderen sind es die handwerklichen Berufe und Branchen.

Circa 26 Prozent der Beschäftigten auf der ersten Führungsebene sind Frauen, 40 Prozent sind es auf der zweiten Führungsebene. Dies geht aus Umfragen der Bundesagentur für Arbeit hervor. In der Baubranche beträgt der Frauenanteil circa 13 Prozent. Selbstverständlich muss mitbedacht werden, dass die Bewerbungszahl der Frauen in Bauberufen geringer ist als die der Männer, was Auswirkungen auf die geringe Frauenquote in Bauberufen hat. Außerdem muss festgehalten werden, dass die Frauenquote in diesem Berufszweig in den 2000er-Jahren noch bei 12 Prozent lag, die Steigerung sich somit ähnlich verhält, wie die des bundesweiten Durchschnitts der arbeitenden Frauen (von 44 Prozent auf 47 Prozent). 

Damit die Talente von Frauen mehr erkannt und gefördert werden können, werden Stimmen nach einer geschlechterunabhängigen Talentförderung immer größer, wie die Uni Bamberg in ihrer Studie Frauen in Führungspositionen hervorhebt. Deswegen wird die Forderung nach einer geschlechterunabhängigen Talentförderung immer größer. Dies kann durch Fortbildungen geschehen, die beispielsweise für alle Mitarbeiter im Betrieb als Pflichtveranstaltung vorgeschrieben sind. So kann es weniger zu Vor- bzw. Nachteilen kommen, welche auf den Geschlechtern basieren. Ebenfalls ist es entscheidend, die auftretenden Probleme nicht zu verschweigen, sondern in einer offenen Kommunikation zu thematisieren.  

Auch Berufe innerhalb der Bau- bzw. Handwerksbranche werden für Frauen immer interessanter. Einige Vorzeigebeispiele für Frauen in dieser Branche haben wir für Euch rausgesucht. 

Frauen auf dem Bau – mehr davon! 

Nun zu einem Thema, welches uns bei PlakatQuadrat besonders am Herzen liegt: Frauen in der Baubranche. Viel mehr noch: Frauen im Gerüstbau. Wir möchten euch eine Frau vorstellen, die es als erste Gerüstbauerin Deutschlands geschafft hat, sich in einer Männer-Domäne durchzusetzen, sowie ein Gerüstbauunternehmen, wo die Frauen das Zepter in der Hand halten. Aber zunächst ein paar Fakten zu Frauen auf dem Bau.

Frauen auf dem Bau – die wichtigsten Meilensteine:

  • 1887: Gewerbeordnung sollte Frauen vor schwerer körperlicher Arbeit schützen
  • 1938: Aus Gewerbeordnung wurde ein faktisches Beschäftigungsverbot 
  • 1955: Das Beschäftigungsverbot wurde in Westdeutschland wieder in Kraft gesetzt, in der DDR durften Frauen hingegen auf dem Bau tätig sein
  • Seit 1994: Frauen dürfen offiziell auf dem Bau arbeiten 

Hoch hinaus – und das auf Gerüsten 

Eine Frau, die gezeigt hat, was Frauen alles können, ist Nadine Bönniger: Deutschlands erste Gerüstbauerin. Sie hat in jungen Jahren ihren Traum wahrgemacht und gleichzeitig ein dickes Fell beweisen müssen. Ihre Lehre begann die Gerüstbauerin bereits mit 16 Jahren, mit 19 Jahren hatte sie ihren Meister in der Tasche. Das brachte neue Herausforderungen mit sich. Als junge Meisterin bekam sie damit mehr Verantwortung, was aber auch ein Problem für ihre Kollegen darstellten konnte – und das nicht, weil sie eine Frau ist, sondern vielmehr, da sie in ihren jungen Jahren mehr zu sagen hatte als so mancher Kollege. Mit viel Durchsetzungsvermögen gelang es ihr, in ihrer Rolle anzukommen. Drei Qualitäten, die vor allem Männern zugeschrieben werden, hat Nadine in so jungen Jahren erfüllt, woran wir wieder sehen können: Frauen sind ein starkes Geschlecht!

  • Durchsetzungsvermögen in einem klassischen „Männerberuf“ als erste Gerüstbauerin Deutschlands 
  • Zielstrebigkeit, die sie mit 19 Jahren zur Meisterin machte 
  • Karriereorientiert, denn sie ist neben ihrem Hauptberuf noch Studentin und Dozentin

Digitalisierung als starke Hand 

Wie können mehr Frauen trotz geringerer Muskelkraft, in eine Branche, wie in die des Gerüstbaus einsteigen? Mit der Frage setzt sich der Gerüstbau-Meisterbetrieb Spanier und Wiedermann auseinander. Sie arbeiten zum Beispiel an einem digitalisierten Aufzug, der schwere Gegenstände ohne Probleme in die Lüfte befördern kann. Auch das Ausmessen der Fläche durch Drohnen ist eine Idee des Betriebs. So erhoffen sie sich, dass immer mehr Frauen Mut fassen und sich für einen Job in der Baubranche entscheiden, besonders da Körperkraft keine oder nur noch eine geringe Rolle spielt. 

Ein weiterer wichtiger Meilenstein soll in diesem Betrieb geschaffen werden: Durch einen Generationenwechsel in der Leitungsposition von Vater zu Tochter, soll ein reines Frauenteam entstehen. Damit soll ein weiterer Schritt getan werden, um das unterrepräsentierte Frauenbild der Baubranche aufzuheben. Besonders wollen sie junge Frauen auf ihrem Weg unterstützen, Fortbildungen anbieten und zeigen, dass die Baubranche mehr Frauenpower braucht. 

Mit diesen Beispielen möchten wir zeigen, dass Frauen das leisten können, was Männer auch schaffen. Wir hoffen, dass auch in der Zukunft immer mehr Frauen ihre Talente offenbaren können und ihren Träumen nachgehen, egal, welcher Beruf es werden soll. 

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